†Leonie (13)

Die 13-Jährige Leonie wurde leblos an einem Baum lehnend aufgefunden.
Leonie darf niemals vergessen werden. Sollten Sie Angehörige von Leonie sein und an dieser Stelle etwas schreiben möchten, schreiben Sie uns bitte an. Wir veröffentlichen gern Ihre Fotos und einen Nachruf an Leonie und alles, was Sie uns mitteilen möchten. Wir möchten an sie gedenken, dieser Platz ist für sie reserviert.

Die folgenden Informationen haben wir zusammengetragen:

Laut „Heute“-Recherchen war Leonie am Tatabend in Tulln an der Donau (NÖ) mit einer Freundin (15) unterwegs gewesen. Um 23.30 Uhr soll die 15-Jährige alleine nach Hause gegangen sein. Leonie ließ sich noch von einem flüchtigen Bekannten (27) nach Wien chauffieren. Der 27-Jährige brachte sie mit seinem Wagen zum Donaukanal, Leonie traf daraufhin Bekannte und ließ den 27-Jährigen einfach stehen. Laut dem jungen Mann sagte Leonie nur, dass sie noch etwas zu erledigen habe. Der Lenker wartete zwar noch rund 1,5 Stunden, fuhr dann aber alleine zurück in die Messestadt an der Donau.

Schließlich wurde Leonie von einem Freund (15) noch in Begleitung von zwei jungen Männern gegen 2 Uhr morgens am Donaukanal gesehen. Mit den beiden Afghanen fuhr Leonie dann mit der U1 nach Kagran – in die Wohnung eines 18-Jährigen.

Überdosis und Vergewaltigung

Ebendort, in der Erzherzog-Karl-Straße in der Wiener Donaustadt, soll ihr eine Überdosis Ecstasy ins Glas gemischt worden sein. Dann soll das Mädchen mehrfach vergewaltigt worden sein. „Heute“ veröffentlicht die Details des Todeskampfes bewusst nicht. Nur so viel: Der massiven Überdosierung und dem Gewicht der Männer war Leonies Körper nicht gewachsen – schließlich hörte die bereits weggetretene 13-Jährige auf zu atmen.

10 XTC-Tabletten

Die Verdächtigen gerieten in Panik, gaben dem Mädchen Milch und Joghurt, stellten die Schülerin unter die Dusche. Verzweifelt riefen die Beschuldigten noch den 23-Jährigen, fragten nach Rat. Dem Dealer wurde die Anzahl der XTC-Tabletten (rund zehn Stück) genannt, der 23-Jährige meinte nur: „Ruft die Rettung.“ Doch vermutlich auch der Notarzt hätte für Leonie nichts mehr tun können.

Die Schülerin wurde dann von den panischen Männern auf einem Grünstreifen platziert, der 16-Jährige rief die Rettung und spielte anfangs noch den Unschuldigen. Eine Zeugin begann mit der Reanimation, die rund zehn Minuten später erfolglos abgebrochen werden musste.

Verdächtiger plauderte

Noch am Wochenende rückte die Polizei mit Spürhunden an, die Hunde führten die Beamten vom Baum zur Wohnung. Nur: Zu diesem Zeitpunkt war die Gemeindebau-Unterkunft noch nicht Mittelpunkt der Erhebungen. Der Durchbruch gelang den Ermittlern erst, nachdem sich ein Verdächtiger einem Bekannten anvertraut hatte. Dieser Mann, ein Asylwerber, gab sein Insiderwissen an die Polizei weiter und trug somit maßgeblich zur Klärung bei. In der Folge wurden ein 16-Jähriger (er gab später an, der fixe Freund von Leonie gewesen zu sein) und ein 18-Jähriger festgenommen, einen Tag später auch der 23-Jährige. Nur einem Verdächtigen (22) gelang die Flucht, eine internationale Fahndung läuft – bisher allerdings erfolglos. Das Trio (16, 18, 23) sitzt indes in der Justizanstalt Josefstadt in U-Haft.

Kronzeuge packte aus

Immer deutlicher kristallisiert sich nun auch heraus, was sich in jener verhängnisvollen Nacht in der Wohnung zugetragen haben dürfte. Ein Verdächtiger hatte gegenüber eines Kumpels sein Gewissen erleichtert und Wissen preisgegeben, das nur Täter haben können. Der Kronzeuge packte später bei der Polizei aus. Etwa, dass die tote Leonie eine schwarze Jogginghose und nicht ihre karierte Hose anhatte, als sie an einem Baum lehnend gefunden wurde.

Opfer umgezogen

Ihre Peiniger hatten Leonie nach der Vergewaltigung offenbar noch angezogen, ihr dabei aber eine fremde Hose und ein fremdes T-Shirt übergestreift. Die Verdächtigen sollen in Panik auch noch versucht haben, die 13-Jährige durch das Einflößen von Milch oder Duschen wach zu bekommen. Somit hat der Asylwerber maßgeblich bei der Aufklärung des Verbrechens mithelfen und zur Festnahme eines 16-Jährigen (Anwalt Peter Philipp) und eines 18-Jährigen (Verteidiger Thomas Nirk) beitragen können. Beide sitzen ebenso wie ein 23-jähriger mutmaßlicher Dealer der Truppe in Wien in Untersuchungshaft – es gilt die Unschuldsvermutung.

Nach Italien?

Wohin sich der vierte Mann, genannt „Zobair“, nun abgesetzt haben könnte, darüber verliert die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen kein Wort. Laut Zeugenaussagen bei der Exekutive soll der international Gejagte noch von einem unbekannten Mann einige Hundert Euro zugesteckt bekommen haben und sich dann ein Zugticket von Wien-Meidling nach Innsbruck (Tirol) gekauft haben. Auch, dass sich der Verdächtige ins Land des EM-Finalisten, nach Italien, durchschlagen wollte, deutete der Zeuge an. Ob diese Zeugenaussagen stimmen oder nicht, das ist nun Gegenstand der Ermittlungen.

Warten auf Fehler

Der 16-jährige und der 18-jährige Tatverdächtige schieben sich indes gegenseitig die Schuld zu – und verspotten sogar ihr Opfer: „Sie war 13, nahm Drogen und ist von zu Hause weggelaufen.“ Einzig der 23-Jährige dürfte mit der Gruppenvergewaltigung nichts zu tun haben, sondern vermutlich Drogen, Essen und Getränke zugeliefert haben. 

„Irgendwann wird der 22-Jährige auch einen Fehler machen. Er muss essen, trinken, schlafen – das kostet alles Geld. Und das muss er beschaffen, womöglich illegal“, so ein Ermittler über den Flüchtigen. Leonies Familie wird von dem renommierten Rechtsanwalt Florian Höllwarth vertreten.

Warten auf Gutachten

Das endgültige, schriftliche Obduktionsergebnis wird laut Wiener Staatsanwaltschaft erst in acht bis zwölf Wochen vorliegen. Das toxikologische Gutachten könnte bereits nächste oder übernächste Woche fertig sein. Leonie soll bis zu zehn XTC-Tabletten bekommen haben. Laut APA soll auch Heroin eine Rolle gespielt haben. Möglich ist natürlich auch, dass die XTC-Tabletten (Hauptbestandteil MDMA) mit Opiaten, Benzos, Methadon gestreckt bzw. vermischt waren. Für alle Tatverdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.


Beerdigung im August

Nach jetzigem Stand soll der 16-Jährige und ein 22-Jähriger Leonie in die Wohnung des 18-Jährigen in Wien-Donaustadt gebracht haben. Dort soll die 13-Jährige unter Drogen gesetzt und missbraucht worden sein. Zuviel für den Körper von Leonie: Die Schülerin aus Tulln starb, wurde dann an einen Baum gelehnt. Der endgültige Obduktionsbefund steht noch aus, soll demnächst vorliegen. 

Der 16-Jährige, der 18-Jährige sowie ein weiterer Verdächtiger (23), der mutmaßliche Dealer, sitzen in U-Haft, der 22-Jährige ist nach wie vor flüchtig. Die Eltern werden Leonie erst im August bestatten können. Vater Hannes W. (39) hat dafür Kontakt zu einem Pfarrer aus seiner oberösterreichischen Heimat aufgenommen, berichtete der Notfallsanitäter beim vierten Besuch von „Heute“ bei der Familie von Leonie am Wochenende.

„Ohne Leonie macht X-Box einen Spaß“

Mutter Melanie P. zu Heute

Auch die vier Geschwister (15, 16, 19, 19) von Leonie leiden sehr unter dem Verlust. „Früher wurde beim Zocken auf der X-Box gestritten. Jetzt, wenn mein jüngster Sohn spielt, hört er nach 20 Minuten auf und sagt: Ohne Streit mit Leonie mache es keinen Spaß“, erzählt Mutter Melanie P. (40).

Leonies Zimmer

Mutter und Vater sind nach wie vor im Krankenstand, die Unterstützung der Arbeitgeber und Kollegen ist laut Eltern überwältigend. Mittlerweile haben die Eltern die Schmuckstücke, die Leonie am Todestag getragen hatte, erhalten (siehe Bilderserie). Die Eltern wollen das Zimmer von Leonie mit schönen Erinnerungsfotos ausschmücken und wollen nur eines für ihre geliebte Tochter: „Gerechtigkeit!“

Beitrag im TV – ORF

Leonie – der Kampf der Eltern um Würde und Gerechtigkeit

Als wäre das Leid der Eltern nicht schlimm genug, sind sie auch mit Falschmeldungen, Pietätlosigkeiten und Anschuldigungen auf sozialen Medien konfrontiert. „Bitte verurteilt uns nicht!“, bittet Leonies verzweifelte Mutter Melanie P. angesichts der Hasspostings, die sie und ihren Mann als Rabeneltern brandmarken. „Wir konnten unser Kind ja nicht einsperren“, so Leonies Vater – alle ehrlichen Eltern wissen das. Was brauchen Eltern, die den schlimmsten erdenklichen Verlust erleiden? Und was tun, wenn Jugendliche nicht mehr zu kontrollieren sind? Sabina Riedl und Vanessa Böttcher berichten.

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