Verstümmelt und abgeschoben: Albinos in Ostafrika

Nichts für schwache Nerven doch aktuelle Praxis. Weißen Kindern (Pigmentstörung) werden Organe gestohlen oder Gliedmaßen entnommen. Solltet Ihr so ein Kind zb. unter Flüchtlingen sehen, solltet Ihr wissen in welcher Gefahr es sich befindet, einzig und allein wegen seiner Hautfarbe.

„In Ländern der Region wurden zwischen 2000 und 2013 mehr als 200 Albinos getötet, 74 der Bluttaten wurden in Tansania gemeldet. Die Ritualmorde bedienen einen makabren, illegalen Markt mit Körperteilen. In dem Zusammenhang taucht immer wieder die Zahl von 75 000 Dollar auf, welche die Überreste eines Albinos zusammengerechnet «wert» seien. Die Information geht auf einen Bericht der Internationalen Rotkreuzföderation von 2009 zurück, der sich auf Auskünfte der tansanischen Polizei beruft.“

Rotes Kreuz, Uno

Wenn die Hautfarbe zum Problem wird

Der Mord an Mariam Fimbo ereignete sich am 21. Februar 2008. Sie war das 36. Opfer einer unheimlichen Reihe bestialischer Ritualmorde, die seit nunmehr drei Jahren die Gemeinschaft der Albinos in Tansania terrorisiert. Knapp 50 Tote hat der Wahnsinn bislang gefordert, die meisten davon in der Region von Mwanza am Viktoriasee. Der Hintergrund sind Zauberei und der Glaube an deren Verheißungen. Man sagt, dass ein starker Zauberer seinem Kunden unglaublichen Reichtum bescheren kann, sofern der Zauber mit den Gliedmaßen eines Albinos ausgeführt wird, mit ihren Ohren, ihren Geschlechtsteilen oder ihren Zungen. Für einen kleineren Zauber reichen auch schon Finger. Oder ein Auge.

Albino-Körper werden für Unsummen gehandelt. 1,8 Millionen Shilling (rund 11.000 Euro) bringt ein abgehacktes Bein. Der Irrsinn hat bereits Nachahmungstäter im benachbarten Burundi gefunden, wo elf Albinos getötet wurden. Die Mörder hatten ausgesagt, ihre „Ware“ in Tansania verkaufen zu wollen. Die Kunden der makabren Hexengerichte sind Goldgräber, die gemahlene Albino-Knochen in ihre Schächte werfen, in der Hoffnung, auf eine fette Goldader zu stoßen. Es sind die Fischer am Viktoriasee, die Albino-Haut an ihre Boote nageln, damit ihnen anschließend Barsche mit Gold im Bauch ins Netz gehen. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Selbst Politiker und Sportler stehen im Verdacht, die Dienste der blutigen Hexenmeister in Anspruch zu nehmen. „Nur darüber spricht niemand“, sagt Al-Shaymaa John Kwegyir, die Albino-Beauftragte der tansanischen Regierung.

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https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/albinos-in-tansania-mord-aus-aberglauben-1839242.html

Bedroht und abgeschoben: Albinos in Ostafrika

Mohamed Mabula hat ständig Angst um seine Familie. Er lebt mit seiner Frau und sechs Kindern in Ndembezi, einem Dorf im Norden Tansanias. Shija, vier Jahre alt, und der sechsjährige Dotto leiden unter einer Pigmentstörung der Haut, bekannt als Albinismus. Mit dieser Diagnose leben sie in Tansania gefährlich.

Grund ist ein Aberglaube, geschürt von manchen Geschäftsleuten und traditionellen Heilern. Demnach verfügen Albinos über Zauberkräfte. Aus ihren Knochen könne man besondere Heilmittel gewinnen, heißt es. Experten zufolge bringen Körperteile von Albinos auf dem Schwarzmarkt hunderte Euro, Menschen werden – tot oder lebendig – für bis zu 65.000 Euro verkauft. Immer wieder werden Albinos deshalb Opfer von Überfällen. Nach UN-Angaben sind seit dem Jahr 2000 mindestens 75 Albinos in Tansania getötet worden, dutzende weitere wurden verstümmelt.

Im Mai dieses Jahres hackten Angreifer einer 30-jährigen Frau in der westlichen Region Katavi eine Hand ab. Acht Verdächtige müssen sich nun vor Gericht verantworten. In Ndembezi fühlt sich Mohamed Mabula alleingelassen und hilflos. „Ich wohne in einer einfachen Lehmhütte. Ich bitte die Regierung, mir zu helfen, ein sicheres Haus zu bauen, damit meine Kinder ruhig schlafen können.“

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https://www.dw.com/de/bedroht-und-abgeschoben-albinos-in-ostafrika/a-18511803

Mörderbanden machen Jagd auf Albinos

Mindestens 26 Albinos sind allein in Tansania im Laufe der vergangenen zwölf Monate getötet worden. Die meisten von ihnen waren Frauen oder Kinder. Selbsternannte Hexer kaufen Leichenteile, Blut und Organe und mixen daraus angebliche Zaubertränke, die vor allem eines bringen sollen: Reichtum.

Das vorerst letzte Opfer des Aberglaubens war erst zehn Jahre alt. Die kleine Esther Charles wurde vor wenigen Tagen in ihrem Dorf Shilela im Westen von Tansania getötet, dann zerhackten die Mörder ihren Körper und verkauften die Teile. Esther war ein Albino-Mädchen, durch einen Gendefekt fehlte ihr das Pigment Melanin. Sie hatte weiße Haut, weißes Haar und empfindliche rote Augen. Genau das wurde ihr zum Verhängnis. Im ostafrikanischen Tansania gelten Albinos als Glücksbringer und Vorboten des Wohlstands.

In jüngster Zeit häufen sich die Berichte über regelrechte Menschenjagden: Mörderbanden schlachten Albinos ab, selbsternannte Hexer kaufen Leichenteile, Blut und Organe und mixen ihren Kunden daraus angebliche Zaubertränke, die vor allem eines bringen sollen: Reichtum. Unter den rund 150.000 Albinos im Land herrscht Panik. „Ich kenne einen Fall, da hat sich eine Frau mehr als drei Monate versteckt, nachdem ihre Schwester ermordet worden ist“, sagt Ernest Kimaya, Vorsitzender der Tansanischen Albino-Gesellschaft (TAS).


Mindestens 26 Albinos sind allein in Tansania im Laufe der vergangenen zwölf Monate getötet worden. Die meisten von ihnen waren Frauen oder Kinder. Im vergangenen Jahr hatte die Polizei bereits mehrfach von Grabschändungen berichtet. Die Räuber hatten Leichen von Kindern ausgegraben, um Genitalien, Augen oder andere Organe herauszuschneiden. Mittlerweile hat sich der Horror rund um das Hexengeschäft auch auf Tansanias Nachbarländer ausgebreitet. In der Demokratischen Republik Kongo, in der der Aberglaube blüht, herrscht große Nachfrage nach Albino-Haut. Auch in Kenia und Burundi verschärften die Behörden ihre Sicherheitsmaßnahmen, weil sich dort die Morde an Albinos häufen


Dem 19-jährigen Richard Ciza saß der Tod schon im Nacken. „Die Menschen sagen, dass Körperteile von Albinos in Tansania über Goldminen abgelegt werden, damit das Gold an die Oberfläche gelangt“, sagt der junge Burunder, und dabei steigt ihm die Angst in die Augen. „Manchmal benutzen Fischer die Teile auch als Köder, weil sie glauben, dass die damit gefangenen Fische Gold im Bauch haben.“ Richard steht unter Schock. Es ist erst wenige Tage her, dass der 19-Jährige aus seinem Heimatdorf floh. Nachbarn hatten ihn gewarnt. Zwei Tage schlug sich der Junge durch den Dschungel, die Mörder immer auf den Fersen.

„Richard Ciza ist von vier Mördern mit Gewehren verfolgt worden“, berichtet Nicodeme Gahimbare, bei dem der junge Mann Zuflucht fand. Gahimbare ist der Oberste Staatsanwalt der burundischen Provinz Ruyigi. Sein Wohnhaus gleicht einer Festung. Drei Meter hohe Mauern umgebe das Anwesen, denn Gahimbare hat sich entschlossen, alle 45 Albinos der Region bei sich aufzunehmen, um ihnen Schutz zu gewähren.

Etwa 25 haben sich bislang zu ihm durchgeschlagen, darunter auch der kleine Ephrem. Mehr als zehn Kilometer Fußweg bewältigte der achtjährige Junge an der Seite seines Vaters. „Mein Sohn lebt in ständiger Panik, seit er gehört hat, was passiert ist“, sagt der zehnfache Familienvater Protais Muzoya. Als auf dem langen Marsch nach Ruyigi ein freundlicher Autofahrer die beiden Wanderer mitnehmen wollte, fing Ephrem an zu schreien und wild um sich zu treten. „Wenn er die Straße entlanggeht, sagen die Leute zu ihm: ’Unser Glück geht vorbei“, erzählt Muzoya. Anzeige

Gerüchten zufolge ließen sich umgerechnet rund 380.000 Euro mit der Leiche eines Albinos verdienen, sagt der Jurist Gahimbare. „Das Schicksal der Albinos sollte zur Staatsangelegenheit werden“, fordert er. In Tansania versuchen die Behörden, dem Morden Einhalt zu gebieten. Die Polizei nahm 47 Verdächtige fest; genützt hat es wenig. „Es ist absolut hirnrissig, wenn einige glauben, dass Albinos magische Kräfte haben und man durch deren Körperteile reich werden kann“, sagte Präsident Jakaya Kikwete am Sonntag. „Die Menschen sollten sich bilden und einsehen, dass sie nur durch harte Arbeit Erfolg haben können und nicht, indem sie die Leichenteile von Albinos verkaufen.“ Wenige Stunden später war die kleine Esther tot.

(AFP)

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https://www.welt.de/vermischtes/article2626632/Moerderbanden-machen-Jagd-auf-Albinos.html

Schon wieder Albino Baby bei Ritualmord getötet. Das Opfer war 18 Monate alt.

Im Norden Tansanias ist ein seit Samstag vermisstes Baby in einem Wald im Bezirk Geita tot und verstümmelt aufgefunden worden. Das gab die Polizei am Mittwoch bekannt. Yohana Bahati, ein 18 Monate altes Mädchen, war bei einem nächtlichen Überfall auf das Haus seiner Mutter entführt worden. Die Mutter, die sich gegen die Eindringlinge wehrte, liegt mit Verletzungen in einem Spital in Mwanza, dem Hauptort der gleichnamigen Region am Viktoriasee. Eine um zwei Jahre ältere Schwester des Opfers, ebenfalls ein Albino, steht unter Polizeischutz.

Makabrer Schwarzhandel

Die Verfolgung von Albinos kommt im zentralafrikanischen Gebiet der grossen Seen immer wieder vor, aber nirgends so häufig wie in Tansania. Laut einem Bericht des Uno-Hochkommissariats für Menschenrechte aus dem Jahr 2013 werden Albinos unter manchen abergläubischen Afrikanern als Gespenster angesehen, die kein irdisches Leben führen und straflos aus der Welt geschafft werden können. Laut Varianten des Irrglaubens bringen Körperteile von Albinos Glück. Irreguläre Goldgräber tragen manchmal Amulette aus Knochen von Albinos, Fischer im Viktoriasee knüpfen Haare von Albinos an ihre Netze, und Albino-Frauen müssen befürchten, vergewaltigt zu werden, weil es HIV-Infizierte gibt, die glauben, durch Sex mit ihnen geheilt zu werden.

Lebende Albinos werden paradoxerweise manchenorts, etwa in abgelegenen ländlichen Gebieten oder grossstädtischen Elendsvierteln, gemieden und diskriminiert, weil die Berührung mit ihnen angeblich Unglück bringt. Mit 1 Albino auf knapp über 1400 Einwohner leben in Tansania mehr Albinos als irgendwo sonst. Seit zwei Jahren will die Regierung alle Betroffenen zu ihrem Schutz registrieren lassen; rund 7000 von ihnen sind dem Aufruf gefolgt, aber die tatsächliche Zahl von tansanischen Albinos wird auf 17 000 geschätzt. Viele sind vor der Diskriminierung – oder Schlimmerem – in die Grossstadt Dar es Salaam an der Küste geflüchtet.

Laut dem genannten Uno-Bericht wurden in den Ländern der Region zwischen 2000 und 2013 mehr als 200 Albinos getötet, 74 der Bluttaten wurden in Tansania gemeldet. Die Ritualmorde bedienen einen makabren, illegalen Markt mit Körperteilen. In dem Zusammenhang taucht immer wieder die Zahl von 75 000 Dollar auf, welche die Überreste eines Albinos zusammengerechnet «wert» seien. Die Information geht auf einen Bericht der Internationalen Rotkreuzföderation von 2009 zurück, der sich auf Auskünfte der tansanischen Polizei beruft.

Verfolgt und traumatisiert

Als Folge von Ängsten und Erlebnissen sind Albinos und ihre Angehörigen oft traumatisiert. Der Uno-Bericht gibt den Fall einer 38-jährigen Albino-Frau wieder, die 2013 im Schlaf von ihrem Mann und vier Komplizen überfallen wurde. Die Übeltäter amputierten einen Arm der Frau und machten sich vor den Augen einer 8-jährigen Tochter aus dem Staub. Das Opfer überlebte.

Bereits Ende Dezember war im Gebiet von Mwanza ein vierjähriges Albino-Mädchen entführt worden. Über sein Schicksal weiss man nichts, obwohl die Behörden eine hohe Belohnung auf sachdienliche Hinweise ausgesetzt haben. Von Yohana Bahati, dem Baby, wurde am Mittwoch nur der Rumpf gefunden, die Ärmchen und Beinchen hatten die Mörder abgetrennt.

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https://www.nzz.ch/panorama/albino-baby-in-tansania-ermordet-und-verstuemmelt-1.18486916

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