"Zeugensuche in Neumünster. Nach der brutalen Bluttat, die einen jungen Mann (20) am Sonntagmorgen das Leben kostete, ist der Täter immer noch auf freiem Fuß. „Es hat bisher keine Festnahme gegeben“, erklärte Pressesprecher Oliver Pohl von der zuständigen Polizeidirektion in Kiel auf Nachfrage. Die Ermittlungen liefen gestern weiter auf Hochtouren.

Am frühen Sonntagmorgen kurz vor 6 Uhr war ein Pole, der seit einem Jahr in Neumünster lebte, an der Friedrichstraße am Eingang zum Postparkplatz von einem Unbekannten so schwer verletzt worden, dass er wenig später im Friedrich-Ebert-Krankenhaus starb (der Courier berichtete). „Es gab eine Stichverletzung, das Tatwerkzeug kann derzeit nicht sicher bestimmt werden“, hieß es. Die Ermittler sprachen von einer „kurzen körperlichen Auseinandersetzung“.

„Möglicherweise hat sich sich der Täter selbst eine blutende Verletzung zugezogen“, so der Polizeisprecher. Der Unbekannte ist zirka 1,80 Meter groß und ungefähr 30 Jahre alt. Er trug eine hellgraue Kapuzenjacke, hatte einen dunklen Dreitagebart, ein südländisches Erscheinungsbild und eine sportliche Figur.

Gestern Vormittag waren noch einmal mehrere Polizeibeamte mit einem Spürhund vor Ort, um den Bereich des Tatorts weiträumig abzusuchen. Mehrfach hielt eine Beamtin dem Tier eine Geruchsprobe vor die Schnauze. Nach Angaben der Ermittler sollte der Fluchtweg des Täters rekonstruiert werden. Der Hund führte die Beamten offenbar durch den Bahnhofstunnel.

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Das würde sich auch mit den Beobachtungen eines Anwohners decken, der am Sonntag in den frühen Morgenstunden einen Unbekannten in Richtung des Tunnels weglaufen sah. Der Augenzeuge, der in einer Erdgeschosswohnung in der Nähe wohnt und seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, war am Sonntagmorgen kurz vor 6 Uhr plötzlich durch laute Stimmen geweckt worden. „So was kommt hier ja öfter vor. Ich habe dann aus dem Fenster gesehen. Da standen zwei Männer, einer war blutüberströmt, ein Dritter lief weg. Plötzlich sackte der Verletzte zusammen. Ich habe mir schnell ein paar Handtücher geschnappt, die Polizei gerufen, gleich um einen Notarzt gebeten und bin aus dem Fenster zu dem Verletzten und seinem Kumpel gesprungen“, berichtete der gelernte Altenpfleger. Gemeinsam mit Polizeibeamten, die wenige Augenblicke später vor Ort waren, versuchte er stark blutende Wunden am Rücken zu stillen. „Der Verletzte hatte einen Freund dabei, der rief immer wieder verzweifelt den Namen des Opfers“, sagte der Ersthelfer. Er ist immer noch erschüttert, dass der junge Mann schließlich den schweren Verletzungen erlag.

Erschüttert blieben gestern auch immer wieder Anwohner und Passanten an der Einfahrt zum Postparkplatz stehen, legten Kerzen und Blumen am Tatort ab. „So ein junges Leben“, sagte ein älterer Herr traurig, der mit seinem Fahrrad des Weges kam. Er wohnt nur ein paar Straßen weiter entfernt und hatte schon vor der Bluttat oft ein mulmiges Gefühl, wenn er rund um den Bahnhof unterwegs war. „Vor ein paar Tagen hat mich hier einer geschubst, nur weil ich ihm keine Zigarette geben konnte“, berichtete er. Ein paar Schritte weiter stehen einige jüngere Leute zusammen. Auch sie teilen die Befürchtungen. „Hier rund um den Bahnhof haben doch viele ein Messer in der Tasche“, meinte einer, während ein Fernsehteam direkt neben ihm am Tatort Filmaufnahmen machte. Weil noch nichts über die Hintergründe der Tat bekannt ist, brodelt die Gerüchteküche im Viertel sowie in den sozialen Medien. Einige vermuten einen Racheakt hinter der Tat. „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen. Die Hintergründe sind noch völlig unklar“, sagte der Polizeisprecher.

Am späten Nachmittag trafen sich gestern noch rund 40 Menschen, meist Angehörige, Freunde und Bekannte des Getöteten, am Tatort, um gemeinsam zu trauern. Die Polizei beobachtete das Geschehen. Alles blieb friedlich.

>Hinweise nimmt die Polizei nach wie vor unter Tel. 04 31/160 33 33 oder 110 entgegen.
– Quelle: https://www.shz.de/21062592 ©2018"

Quelle:
https://www.shz.de/lokales/holsteinischer-courier/20-jaehriger-erstochen-bestuerzung-bei-anwohnern-und-akribische-spurensuche-id21045907.html

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